Roasting – Die Methode, die sagt, was sonst niemand sagt
- Evelyne Janzen M.A.
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

Manchmal ist ein Text fertig. Ein Konzept wirkt rund. Ein Entwurf fühlt sich gut an. Zumindest, bis er ge-roastet wird. Wir haben den ersten Manuskript-Entwurf unseres heutigen EAZW-Praxiskompass mutig in die Hände der KI gelegt – mit der Bitte, nicht freundlich, sondern ehrlich zu sein. Schonungslos ehrlich. Der erste Kommentar lautete:
„Der Titel klingt solide – aber auch so aufregend wie ein Excel-Tutorial.“
Autsch. Aber genau das war der Punkt. Denn Roasting ist keine nette Ergänzung, sondern eine Methode, die Klarheit schafft.
Was ist Roasting?

Roasting stammt ursprünglich aus der Comedy. Jemand wird pointiert kritisiert – humorvoll, ehrlich und bewusst zugespitzt. Übertragen auf die berufliche Praxis bedeutet das: wir bitten die KI, die Rolle unseres härtesten Kritikers einzunehmen.
Kein Smalltalk. Keine diplomatischen Formulierungen. Kein „passt schon“.
Stattdessen:
klare Hinweise auf Unschärfen
schonungslose Benennung von Schwachstellen
markante Zuspitzungen
ehrliche, direkte Bewertungen
Die KI sagt das, was andere aus Höflichkeit oft verschweigen.
Warum Roasting so gut funktioniert
Roasting wirkt aus drei Gründen besonders stark:
1. Höflichkeit fällt weg. Kritik wird klarer – und damit nützlicher.
2. Es schärft Denken und Sprache. Ein Text, der einen Roast übersteht, steht stabil.
3. Humor schafft Distanz. Man nimmt Kritik nicht persönlich, aber ernst.
So entsteht keine Überforderung, sondern Klarheit.
Wo Roasting besonders wertvoll ist

Roasting funktioniert weit über Texte hinaus – überall dort, wo Substanz zählt:
Texte & Präsentationen „Was würde jemand kritisieren, der keine Höflichkeit kennt?“
Geschäftsideen & Produkte „Welche Schwäche springt sofort ins Auge?“
Prozesse z.B. vor der Digitalen Transfomation „Welcher Schritt wirkt unnötig kompliziert?“
Fördermittelanträge „Welche Stelle würde ein Gutachter kritisch hinterfragen?“
Workshops & Lernmaterial „Wo landet man gedanklich im Nebel?“
Kurz: Roasting deckt das auf, was später andere entdecken könnten, nur früher, sicherer und mit Humor.
Wie du Roasting durchführst
So startest du in wenigen Minuten:
Formuliere die Anfrage klar: „Bitte roaste meinen Text / meine Idee / meinen Prozess – humorvoll, kritisch und schonungslos ehrlich, aber konstruktiv.“
Frage nach Details: Wo ist die Logik brüchig?Wo wirkt die Sprache schwammig? Wo fehlt die Klarheit?
Nimm die Kritik ernst, ohne sie persönlich zu nehmen.
Überarbeite gezielt:
kürze schwache Stellen
schärfe Argumente
eliminiere Füllworte und Floskeln
setze klare, direkte Botschaften
Roasting ist nicht bequem, aber wirksam.

Bonus-Schritt: Lass deinen härtesten Kritiker die Lösung bauen
Der wahre Zauber beginnt nach dem Roast. Clever ist, wer nicht nur die Kritik sammelt, sondern die KI im zweiten Schritt auffordert, das zerrissene Material selbst zu verbessern.
Warum funktioniert das so beeindruckend gut?
Weil dieselbe Instanz, die glasklar erkennen kann, was nicht trägt, auch präzise formulieren kann, wie es besser geht. Das Prinzip dahinter: Wer Schwächen klar benennt, kann meistens noch klarer zeigen, wie Stärke aussieht.
Genau das haben wir mit unserem Praxiskompass-Manuskript gemacht: erst roasten lassen, dann die KI bitten, ihre eigenen Kritikpunkte zu lösen. Das Ergebnis war oft überraschend präziser als unsere erste Version.
So entstehen schnell und einfach Lösungsvorschläge, die pointierter, kreativer und substanzstärker sind als jedes höfliche Feedback. Eine Art stilles:
„Wenn du das so kritisch siehst – dann zeig mir auch, wie’s richtig geht.“
Genau dieser zweite Schritt macht Roasting nicht nur ehrlich, sondern besonders wirkungsvoll.
Dein Benefit – Was du mit Roasting gewinnst
Roasting hilft dir dabei:
blinde Flecken sichtbar zu machen
Inhalte strukturell zu verbessern
klare, belastbare Botschaften zu formulieren
Entscheidungen vorzubereiten
die eigene Arbeit professioneller zu machen
Es ist anspruchsvoll, Dinge wirklich besser zu machen. Roasting liefert den Impuls dafür – schnell, konsequent und mit einem Augenzwinkern.
Fazit: Mut in Methode gegossen
Roasting ist der Moment, in dem der Filter wegfällt. In dem klar wird, was trägt und was bröckelt. In dem aus einem Entwurf eine starke Version entstehen kann. Und genau deshalb lohnt sich die Methode – in Texten, Konzepten und Prozessen. Achja, den ersten Entwurf des Blogs haben wir übrigens auch roasten lassen. Und daraus eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit dem Blog als Praxisbeispiel für dich gemacht. Hier kannst du sie abrufen:
Roasting und mehr mal selbst ausprobieren?
In unseren Weiterbildungen lernst du Methoden wie diese systematisch einzusetzen – für bessere Entscheidungen, klarere Kommunikation und professionelle Ergebnisse.

Deine Ansprechpartnerin
Evelyne Janzen M.A.



